Sonntag, 10. Juni 2007

"Tagen" im U-Bahnhof

Etwas träge wartete ich auf die U-Bahn und lauschte dem leisen Rauschen des Samstag Morgen in der Stadt, als mich ein Geräusch aufmerksam werden ließ - ein leichtes, weiches Kratzen.

Ich hatte richtig gehört.
So ein kleiner Junge (12 Jahre vielleicht) hatte seine Sporttasche auf den Bahnsteig gestellt gehabt und war hinter einer Säule verschwunden. Ich überlegte eine Weile, ob ich das Kratzen richtig gedeutet hatte, ging möglichst unauffällig auf die andere Seite, um einen Blick in die Richtung zu werfen. Ich hatte mich nicht verhört, dass bestätigte mir die Reaktion des Jungen.

Als ich auf ihn zuging und ein "Hallo" sagte, schaute er nur verwundert. Meine Frage: "Hab ich das richtig gehört, dass du hier gerade die Wand beschrieben hast?" - ein Schlucken - "Ein bisschen ertappt fühlst du dich aber schon, oder." - ausweichendes Schulternzucken - "Das finde ich ja schon krass, … so einfach mal ein "Tag" an die Wand packen. (mein unverständiges Kopfschütteln)" - hm zaghafte Zustimmung - "Und wer macht das weg?" - kleinlaute gemurmelte Antwortversuche (die Arbeiter… wenn es überhaupt ab geht…)

- die S-Bahn fuhr ein und ich musste schnell zu meinem Fahrrad -

Wie reagiert man denn bitte "richtig" und effektiv in solchen Situationen?

So richtig kann ich meine Enttäuschung, Wut und Zurückhaltung nicht in Worte fassen. Aber krass fand ich diese Begegnung schon. Und kein anderer hat es gemerkt. Wie gesagt, Sa früh so gegen halb zehn, mitten in Berlin.

Ich hätte ja gern noch aufgezählt, was passiert, wenn er erwischt wird. Bzw. was ich hätte auslösen können. Aber ruiniert man damit dem Kind nicht die Zukunft ein bisschen, wenn man ihn beim ersten Mal gleich anzeigt? Kann er nicht selber noch drüber nachdenken?
Wie macht man Konsequenzen, die subjektiv nicht da sind deutlich???

Wie spricht man so einen Knirps an? Was wäre angemessen, dass er 'ne Verwarnung fürs Leben hat?
Ich wünsche mir Tipps, Gedanken, Ideen…

Keine Kommentare: