Ein ruhiger Sonntag Abend, dann ein Schrei, vier streitenden halbstarke Jungs und schon ist die ganze Straßenkreuzung überfüllt mit lauter türkisch diskutierenden Frauen und Männern. Dabei reden alle mit allen - also Männer mit Männern und Frauen mit Frauen - stark gestikulierend, aber keiner verrät der Polizei irgendetwas.
Der Junge, der sich in die Bäckerei geflüchtet hatte, lässt sich von den Sanitätern der Feuerwehr nicht behandeln und natürlich sind die eigentlichen Täter längst verschwunden, wobei sie auch keiner kennen will. Eine Anzeige gibt es letztendlich wohl auch nicht, sondern der Bedrängte trägt nun einfach auch ein Messer mit sich herum. Auch so kann man Streitereien regeln, aber viel deutlicher wird an solchen Szenen, wie krass der kulturelle Dissenz ist.
Ich verstand nichts von all den hektischen Diskussionen, aber was ich gelernt habe: der Satz: "Frauen und Kinder haben Angst" weist halbstarke Türken zurück und es gibt diese markierenden Jungs, die sich als Anwälte angeblicher heimatlicher Wertetraditionen verstehen auch hier, wie sonst überall in Berlin und sie greifen tendenziell schneller zu drastischeren Gewaltmitteln, wenn sie etwas als Unrecht deuten. Wenn die "Familie" da ist, weist sie aber ihre Halbstarken ganz gut selbst in die Schranken. (Komisch nur, dass alle die Grausamkeit empfinden, eine Anzeige aber nicht in Frage kommt.) Der Zusammenhalt der "türkischen Community" ist extrem stark. Das hatte ich was geahnt, aber stärker hatte ich ihn noch nicht so direkt erlebt.
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